SWR2 Dschungel: Und auf der anderen Seite - niemand!
Ein Radiofeature über das Geisterspiel von Santiago de Chile.

Am 11. September 1973
hatte Augusto Pinochet gegen den demokratisch gewählten Präsidenten
Chiles, Salvador Allende, geputscht. Mehrere tausend Regimegegner
wurden getötet und viele tausend in Gefängnissen und
Konzentrationslagern inhaftiert und gefoltert. Auch das Estadio
Nacional in Santiago diente als KZ. Zur gleichen Zeit fanden die
Qualifikationsspiele für die Fußballweltmeisterschaft 1974 statt. Chile
musste gegen die Sowjetunion antreten. Das Hinspiel in Moskau im
September 1973 endete mit 0:0, aber die sowjetische Mannschaft
verweigerte das Rückspiel am 21. November. Es sollte im Estadio
Nacional stattfinden, aus dem erst kurz zuvor die Gefangenen in andere
Gefängnisse und Lager verlegt worden waren. Das Spiel fand trotzdem
statt, nur spielte das chilenische Team gegen eine
Geistermannschaft.
Martin Kaluza besuchte das Estadio Nacional und traf dort auf Vladimiro Mimica. Der Fußballreporter gehörte 1973 zu den Inhaftierten und kommentiert heute für das Radio wieder Spiele aus dem Stadion, in dem er einst gefangen war. Zu Wort kommt außerdem Carlos Caszely, ein guter Freund Mimicas und ehemaliger chilenischer Nationalspieler. Er stand bei dem Geisterspiel auf dem Platz.
Ein Radiofeature von Martin Kaluza.
SWR2 Dschungel: 12.01.2009, 22 Uhr


